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DRESDNER NEUESTE NACHRICHTEN May 31, 2004 Zauberhafter Farbenreichtum Kerstin Leiße Charmant, bescheiden und durchaus bewegt bedankte sich Kurt Masur. Der Maestro, wahrlich einer der Zeitgenossen, deren jahrzehntelanges Wirken zurecht auch breite öffentliche Würdigung erfahren hat, durfte in der vollbesetzten Semperoper nun auch den ersten "Saeculum Glashütte Original-Musikfestspiel-Preis" entgegennehmen. Gestiftet von dem traditionsreichen sächsischen Uhrenbetrieb und mit 25.000 Euro dotiert. Der 76-jährige Dirigent ist freilich einer, der keine Gelegenheit, auch nicht die einer solchen Ehrung, verstreichen ließe ohne mahnende Worte für den Erhalt der Kultur. Seinem Credo, das es nichts Vergleichbares zu dem gebe, was die Musik im Menschen auslösen könne, ließ er die Aufforderung folgen, mit dieser in "unseren Kindern" die Erlebnisfähigkeit zu wecken. "Die humane Botschaft der Musik muss erhalten bleiben, dann haben die Menschen wieder eine Zukunft", sagte der Künstler mit allem Nachdruck. Laudator Joachim Gauck, Pfarrer und Ex-Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen, für sich ein mecklenburgisches Maß an Liebe zur Musik apostrophierend, bemühte sich um die zeitgeschichtlich-politische Einordnung des Wirkens Kurt Masurs. Dem Künstler Masur mag er damit nur ansatzweise gerecht geworden sein. Da "Saeculum" ein Preis für Personen ist, die die musischen Künste über Jahrzehnte geprägt und weiterentwickelt haben, wäre auch ein tiefergehender Blick auf Masurs musikalische Meriten angebracht gewesen. Schließlich schloss Gauck den Bogen seiner Ausführungen nach einem berechtigten Seitenhieb auf die heutige Spaßkultur mit den Worten, dass die Musik dem Menschen seine Verletzbarkeit, seine Güte und auch seine Gaben spüren ließe. Davon überzeugen konnten sich die Zuhörer in dem der Ehrung nachfolgenden Konzert des Orchestre National de France. Seit 2002 ist Kurt Masur dessen Musikdirektor, und der Abend bewies hinlänglich, dass das eine gute, ertragreiche Verbindung sein muss. Auch wenn der Dirigent mit dem 1934 gegründeten, in Paris beheimateten Ensemble ebenso deutsches Repertoire musiziert, brachte er doch für die Musikfestspiele ein französisch-russisches Programm ein und begann das Konzert mit César Francks Symphonischer Dichtung "Psyché" (1887) in einer von ihm selbst initiierten Fassung, für die John Guare eine erzählende Sprecherpartie verfasst hat. Bei der Sängerin Marianne Pousseur war diese in besten, gestenreichen Händen. Ganz seiner Überzeugung verpflichtet, dass zu professionellen Aufführungen auch Laienensembles hinzugezogen werden sollten, führte Masur den Universitätschor Dresden (Einstudierung Maja Sequiera) in einer nicht unheiklen Partie zu höchst respektabler Leistung. In Nikolai Rimski-Korsakows beliebter Sinfonischer Suite "Scheherazade" (1888) durfte das Orchester seine Vorzüge glänzen lassen. Masur zauberte Farbenreichtum und Klangpracht in die zauberhafte Akustik der Semperoper. Ließ seine erstklassigen Solisten in flexiblen Tempi parlieren, den geschmeidigen Ton der Solovioline (Luc Héry) beherrscht sehnsüchten, streute angebrachte Schärfen und hielt die Lyrik des Melodischen am Zügel. Eine märchenhafte, tänzerische Musik, in die der Zuhörer sich ohne falsche Scham einmal so richtig fallen lassen konnte. Zumal das Vergnügen über die fantastischen Bläserleistungen (darunter des Solohornisten der Dresdner Philharmonie, Jörg Brückner, als Gast) vollkommen ungeteilt war. Da blieb nur eines:der Wunsch auf eine baldige Wiederbegegnung mit Kurt Masur am Dirigentenpult. |


