WIENER ZEITUNG
September 22, 2003

Glanz und Intensität

Ein Beginn, wie geschaffen für den germanishen Recken Kurt Masur am Pult seines Orchestre National de France (ONF): Richard Wagners Overtüre zu "Rienzi": spannend, packend, mit natürlichem Zugang zu den plakativen Formulierungen. Das was exakt und festlich strahlend zugleich. Sergej Rachmaninows "Paganinirhapsodie" op. 43 bot den Anlass für die Begegnung mit dem 31-jährigen Jungstar Nikolai Lugansky. Wir erlebten ihn im Vorjahr als fulminanten Klavierpartner von Vadim Repin.

Sein Spiel ist von einer exemplarischen Klarheit und Kraft und ist erfüllt mit spielfreudiger Sicherheit. So wird selbst diese Art von Virtuosenwerken zum musikalischen Ereignis. Und wie farbstark die Instrumentation ist, das demonstrierte der musikalische Direktor der hervorragenden Franzosen mit spürbarem Genuss.

übringens stammt das heute doch schon etwas langatmig wirkende Werk nicht, wie im Programmheft vermerkt, von 1943, sondern von 1934, wurde also elf Jahre vor dem Todesjahr des Komponisten geschaffen. Zuletzt kam mit Dvoraks "Achter" (G-Dur) gewissermaßen die Fortsetzung der von den Philharmonikern gespielten Symphonie. Hier bot Masur die größste überraschung. Auf so eine außerordentliche Leistung konnte man nicht so ohne weiters gefasst sein. Es wurde mit größter Intensität und spürbarer Hingabe musiziert. Man wusste nicht, was man mehr bewundern sollte -- die starke Persönlichkeit des Dirigenten oder ein Orchester, das über sich slbst hinausgewachsen ist!