NEUES VOLKSBLATT
September 22, 2003

Sternstunde mit Kurt Masur
by Rupert G. Frieberger

Bruckners III. Symphonie (d-Moll) in der Fassung von 1889 mit dem Orchestre National de France unter seinem Chefdirigenten Kurt Masur am Freitag in der Striftskirche St. Florian: eine Sternstunde des heurigen Brucknerfests. Masurs wohl überlegtes Tempokonzept nahm Rücksicht auf den Raum und auf Bruckners Klanggebäude. Dadurch gelang eine staunenswerte Geschlossenheit und Präsentation der symphonischen Schichtungen, zumal sich gerade im Finale aus allen anderen Sätzen Themenzitate finden, die zu einer echten Relation fanden. Besonders packend die "Langsamkeit" des 2. Satzes; das Scherzo gestaltete Masur mit fast walzer-parodistisch anmutenden Trio-Takten: Aber nicht der "Landler"-Idylle an der Grenze des Kitches halber, sondern um Kontrast und österreichisches Musikantentum in eins zu kehren. Davon bekam auch das Finale einiges ab. Der gespannte Bogen zum Kopfsatz ließ die Gewissheit wachsen: Mit Kurt Masur haben wir wieder einen Bruckner-Dirigenten von hoher Kompetenz, der Namen wie Eugen Jochum oder Bernhard Haitink aufblitzen lässt. Von hoher Kompetenz erwies sich auch das Orchester. Man kann nur auf die Klugheit der Brucknerfest-Veranstalter hoffen, ein baldiges Wiederhören mit einer anderen Symphonie in die Wege zu leiten. Berechtigter lang anhaltender Applaus.