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February 15, 2005

Kurt Masurs zauberhaftes "Bregenzer Meisterkonzert"
Orchestre National de Paris brillierte im Festspielhaus

Werner Kaplaner

Die musikalischen Geister, die er rief, wusste er wohl zu beherrschen: Das Orchestre National de France unter Chefdirigent Kurt Masur gastierte am gestrigen Montagabend im Festspielhaus Bregenz. Auf dem Programm des von der Landeshauptstadt veranstalteten "Bregenzer Meisterkonzertes" standen Werke von Maurice Ravel, Nikolai Rimski-Korsakow und einleitend "Der Zauberlehrling" von Paul Dukas. Das Publikum spendete lang anhaltenden und begeisterten Applaus.

In Bregenz bot sich binnen Monatsfrist die Gelegenheit, zwei Altmeister des Taktstocks zu vergleichen: Am 21. Jänner gastierten die "heimischen" Wiener Symphoniker unter dem vergleichsweise sparsam dirigierenden Georges Pretre (80) mit großem Erfolg. Und nun stellte sich der grandiose Pariser Klangkörper mit Masur (78) an der Spitze dem begeisterten "Meisterkonzert"-Publikum.

Masur, der seit 2002 Directeur musical ist, leitete das Nationalorchester ohne Partitur mit souverän-geschmeidiger Zeichen-Gebung, ließ die Streicher aufblühen und die exzellenten Holz-und Blechbläser brillieren. Ausreichend Gelegenheit dazu bot "Scheherezade". In der von "1001 Nacht" inspirierten sinfonischen Suite von Rimski-Korsakow entfaltete das Orchestre National de France — allen voran die phänomenale Konzertmeisterin — farbenprächtiges orientalisches Kolorit und entführte in Zeiten, als Bagdad noch eine märchenhafte Kalifenstadt war.

Erst vor drei Wochen hatten Pretre und die Wiener Symphoniker Maurice Ravel's "Bolero" in beeindruckender Manier interpretiert. Nun bot sich ein interessanter Vergleich, hatte doch das Orchestre National de France die choreografische Dichtung "La Valse" von Ravel auf dem Programm. Masur steigerte den hintergründigen Walzertraum von einer Johann Strauß-Apotheose zum finalen apokalyptischen Totentanz. Bereits im einleitenden "Zauberlehrling" nach der Goethe-Ballade musizierten Masur und sein Orchester farbig, frisch und lebendig. In die Ecke wird der "alte Besen" nach diesem meisterlichen Konzert sicher nicht gesteift, Masur (http://www.kurtmasur.com) ist längst kein Zauberlehrling mehr, sondern ein gereifter und nach wie vor voll Elan steckender Endsiebziger, der Orchester und Zuhörer jederzeit im Griff hat.

Die Reihe "Bregenzer Meisterkonzerte" wird am 14. April von der Tschechischen Philharmonie Prag mit Werken von Mozart, Josef Suk und Beethoven fortgesetzt; zum Abschluss gastiert am 18. Mai das Trio Vadim Repin (Violine), Mischa Maisky (Cello) und Nikolai Lugansky (Klavier) mit Klaviertrios von Tschaikowski und Schostakowitsch im Festspielhaus.