LIPPISCHE LANDESZEITUNG
August 18, 2004

Magnet Masur
Musikhochschule bereitet sich auf Akademie mit weltberühmtem Dirigenten vor


Detmold (fla). Eine Sommerakademie für junge Musiker mitten in den Semesterferien? Kann das funktionieren? Alle Befürchtungen haben sich in Luft aufgelöst: Die Resonanz auf den Kursus mit dem weltberühmten Dirigenten Kurt Masur, der vom 5. bis 10. September zu Gast in der Musikhochschule Detmold sein wird, hätte besser nicht sein können.

Adressaten sind die ersten und zweiten Preisträger des Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert" und junge Dirigenten. "Unsere Sorge war, dass wir im Wust der Sommerveranstaltungen untergehen könnten mit unserem Angebot", sagt Prof. Heinz Fadle, künstlerischer Leiter der Sommerakademie, "aber der Zulauf war enorm: 176 Anmeldungen gab es insgesamt der Name Kurt Masur ist einfach ein Magnet."

Und jetzt läuft unerbittlich der Countdown — in elf Tagen reisen die jungen Teilnehmer im Alter von zwölf bis 23 Jahren an. Damit alles klappt, ist ein Stab von fünf Leuten damit beschäftigt, "das Ganze an den Start zu bringen und dann am Laufen zu halten", wie Fadle sagt. Neben ihm sind es Andrea Franzmann und Karen Hansmeier, Dr. Joachim Thalimann und Thomas Siebenkotten, die das Sommerakademie-Team bilden. "Thomas Siebenkotten vom künstlerischen Betriebsbüro der Hochschule ist derzeit täglich 15 Stunden im Dienst", sagt Dr. Joachim Thalmann, Öffentlichkeitsreferent der Hochschule. Bei Siebenkotten laufen einige Fäden zusammen. Schon allein deshalb, weil er bereits ähnliche Koordinierungsarbeiten für das Schleswig—Holstein—Festival gemacht hat. "Wir stehen hier unter einer sehr positiven Spannung — und wenn doch mal wieder ein unvorhergesehenes Problem kommt, dann wird es im Team gelöst", gibt sich Siebenkotten sehr gelassen.

Spontanlösungen liefert auch Karen Hansmeier schnell und freundlich. Denn bei ihr steht in den letzten Tagen das Telefon nicht mehr still. Nicht nur, dass sie für alle Teilnehmer eine Unterkunft gefunden hat — "dafür ein herzliches Dankeschön an die LZ—Leser, die sich nach unserem Aufruf mit überwältigender Resonanz gemeldet haben und für die Zeit der Sommerakademie einen Teilnehmer bei sich zu Hause aufzunehmen bereit sind" —, sondern sie hat auch schon einen Fahrdienst für diejenigen organisiert, die auf dem Kupferberg untergebracht sind, hat sich um Betreuer für die ganz jungen Musiker gekümmert, die Teilnehmergebühren verbucht und alle Anfragen besorgter Eltern verbindlich beantwortet. Auch die, ob der Sohn beim Abschlusskonzert eine Fliege umbinden müsse oder nicht.

Ein Zeitplan für die gesamte Sommerakademie steht schon: Anreise der Teilnehmer am 29. August, Beginn der Proben bei den neun Dozenten am Tag darauf. Dann wird auch Prof. Karl-Heinz Bloemeke die jungen Musiker auf die Arbeit mit dem großen Dirigenten vorbereiten, der erst am Sonntag, 5. September, erwartet wird.

Wenn möglich, soll er noch am Anreisetag die beiden Solistinnen, die beim Abschlusskonzert mit dem Orchester unter seiner Leitung auftreten, kennen lernen. Und am nächsten Tag wird er gleich auch mit der Arbeit mit den etwa elf jungen Dirigenten, die er sich aus den 35 Bewerbern, die bei der Sommerakademie mitmachen, ausgewählt hat, beginnen.

Vormittags und nachmittags sind Orchesterproben angesetzt, "abends ist Zeit für verschiedene kammermusikalische Projekte", sagt Fadle. Klingt ziemlich anstrengend — "aber die jungen Leute sind ganz heiß darauf, so viel wie möglich mitnehmen zu können", weiß Siebenkotten. Bis aber der erste der Teilnehmer da ist, gibt es noch viel zu tun. "Ich schlafe derzeit nicht besonders gut — es gehen einem Hunderte von Dingen durch den Kopf, bekennt Heinz Fadle. Aber das wird alles vergessen sein, wenn das Ereignis ein Erfolg wird — und Fadle und seine vier Getreuen tun alles dafür, dass es einer wird.